Erst anonym, dann völlig vertraut

  • 28. Februar 2017
Sarah ist Studentin in Köln und arbeitet nebenbei im Little Lui, in einem Jugendzentrum und als Hostess in einem Co-Working-Space. Im Interview verrät die 24-Jährige uns, warum sie Köln liebt und warum sie das Friesenviertel zu schätzen gelernt hat...

Wie lange lebst du schon in Köln?
Ich wurde hier geboren und bin mit 13 Jahren nach Bonn gezogen. Dort bin ich dann bis zum Abi geblieben. Dann war ich eine Zeit lang unterwegs und bin seit 2012 wieder in Köln, wo ich nun im Friesenviertel lebe.

Hat das Viertel eine besondere Eigenschaft für dich?
Es ist für Köln relativ anonym. Es hat sehr lange gedauert, bis ich dort die Nachbarn kennengelernt habe. Aber zwischen denen, die man jetzt kennt, zum Beispiel auch den Kiosk-Mann von gegenüber, ist dann ein sehr enges Verhältnis entstanden. Man ist relativ vertraut, sodass man beispielsweise den Schlüssel beieinander hinterlegen kann und andere Leute einen Blick auf einen haben. Umgekehrt haben wir auch einen Blick auf den Kiosk. Das hat einfach nur etwas länger gedauert, was ich aus der Südstadt nicht gewöhnt war.
Außerdem ist das Friesenviertel auch das Schwulen- und Lesbenviertel, das fällt natürlich auch auf. Da sind zum Beispiel ganz viele Schwulen- und Lesben Bars. Das ist dort einfach etwas offensichtlicher, als in anderen Teilen von Köln.

Warum ist es nach Jahren in der Südstadt nun das Friesenviertel geworden?
Ich wollte da ursprünglich gar nicht hin, sondern zurück in die Südstadt, wo ich herkomme, auch weil es da etwas Dörfliches hat. Jeder kennt jeden. Mittlerweile finde ich das total nervig, deswegen bin ich auch wirklich froh, dass ich im Friesenviertel wohne. Man kann in der Südstadt nirgendwo hingehen, ohne jemanden zu treffen. Ein Weg von zwei Minuten dauert auf einmal zehn. Und jeder weiß auch immer alles. Das ist ziemlich viel „Gossip“ dort. Wir hatten uns bei der Wohnungssuche wieder auf die Südstadt konzentriert, bis wir eher durch Zufall und einer Portion Glück zu einer Wohnungsbesichtigung am Friesenplatz kamen, die dann letzten Endes perfekt für uns war. Da ich auch in einer Situation war, in der ich dringend eine Wohnung brauchte, kam die Zusage sehr gelegen. Inzwischen bin ich super happy mit allem!

Was ist dein bisher schönstes Erlebnis gewesen?
Es gibt so viele schöne Erlebnisse. Eine schöne Story ist mir die Tage passiert: Ein Freund von mir aus Brasilien ist hier und sucht nach einem Job. Er meinte dann zu mir: Ich geh mal in der „Lichtung“ fragen und ich habe ihn dann begleitet. Dann sind wir in die Südstadt und ich hab zu ihm gesagt, er soll doch noch mal hier und da fragen. Man hat einfach so viele Leute gekannt und alle waren so super nett, dass jeder ihm einen Job hinterher schmeißen wollte. Das war einfach so super schön, weil das ganz anders gewesen wäre, wenn man die Leute nicht gekannt hätte. Ich hab das dann durch ihn erst herausgefunden, weil er total geflasht war. Wir waren in einem Restaurant und haben da Essen bekommen, weil ich dort jemanden kannte. In einem Café haben wir Kaffee bekommen, in einem anderen Lokal eine Apfelschorle getrunken. Und alle waren einfach so offen und super nett.

Was macht Köln für dich so besonders im Vergleich zu anderen Städten?
Die Menschen. Die Leute und die Atmosphäre, dass man eigentlich alleine losziehen oder sich alleine in eine Bar setzen kann und man beendet diesen Abend nicht alleine. Spätestens nach zwanzig Minuten hat man neue Freunde. Okay, das sind vielleicht nicht Freunde fürs Leben, aber das sind Leute, die sich an dich erinnern und mit denen man immer mal wieder quatschen kann. Ich finde das ganz schön. Für mich ist es manchmal anstrengend, wenn man Leute schon ewig kennt und die dann alles von dir wissen, oder alles von dir interpretieren und dir dann sagen können, warum das so und so ist. Und wenn man dann ganz oberflächlich Leute kennenlernt, ist es auch ganz schön, dass man mal die Person sein kann, die man gerade ist und nicht mit der ganzen Geschichte davor. Das kann man hier richtig gut, quasi schnell und überall.

Welcher Ort macht Köln für dich besonders aus?
Das ist auf jeden Fall die Südstadt. Ich mag zum Beispiel, auch wenn es dort immer überfüllt ist im Sommer, den Aachener Weiher. Jeder ist einfach da. Man kommt nicht drum herum, auch mal da zu sein, egal woher, aus welchem Stadtteil man kommt. Es ist zwar manchmal nervig, aber das ist auch so ein Köln-Ding. Im Sommer liegen da alle wie die Sardinenbüchsen um diesen komischen Weiher herum. Das ist für mich typisch für Köln. Genauso wie der Brüsseler Platz. Das ist irgendwie, seitdem ich rausgehe, immer so, dass man dahingeht und die Zeit draußen miteinander genießt.

Wenn Sie an Köln denken, was fällt Ihnen als erstes ein?
Kölsch. Sowohl die Sprache, als auch das Bier!

Welches Gefühl verbinden Sie mit Köln?
Liebe – für die Stadt und ihre wundervollen Menschen.