Die Kölner nehmen sich nicht so ernst wie die „Schnöseldorfer“

  • 10. Februar 2017
Tim ist 39 Jahre alt, arbeitet als Professor in Frankfurt a. M. und wohnt seit 16 Jahren in Ehrenfeld. An den Kölnern mag er besonders die Leichtigkeit und Toleranz, welche er in Städten wie Düsseldorf, München und Frankfurt a. M. manchmal vermisst. Was er in Köln als "wild romantisch" bezeichnet und wie er das kölsche Verkehrschaos findet, erzählt er uns im Interview...

Hey Tim! Wieso wohnst du denn in Ehrenfeld?
Es hat mich hierher verschlagen, weil es ein ursprüngliches Veedel mit einer sehr heterogenen Bevölkerungsstruktur ist, vergleichsweise preiswerte Mieten hat und einem einzigartigen kölschen Lebensgefühl entspricht.

Du sprichst es schon an: Was ist das kölsche Lebensgefühl für dich?
Man fühlt sich hier ein bisschen wie in der nördlichsten Stadt Italiens. Leichtigkeit paart sich mit unprätentiösen Verhaltensweisen. Die Kölner haben eine großartige Toleranz gegenüber ausländischen Mitbürgern, gegenüber Menschen mit unterschiedlichen sexuellen  Orientierungen und gegenüber Personen, die sich nicht daran stoßen, wenn sie soziale Normen außer Acht lassen. Und die fünfte Jahreszeit hat natürlich auch ihren ganz besonderen Reiz. (lacht)

Was gefällt dir an deinem Veedel so gut?
Ich glaube es ist die Verbindung aus vergleichsweise angenehmer Wohnumgebung gepaart mit der Party- und Kneipenmeile Nummer eins sowie die kurzen Wege zwischen Supermarkt, Stadtteilbibliothek, Lenauerplatz und Juka.

Verbindest du etwas Besonderes mit Köln?
Wenn man auf die Bauten blickt, dann natürlich den Kölner Dom, der einen immer – egal aus welcher Richtung man auf die Stadt zusteuert – direkt begrüßt. Dann leider auch den 1.FC (lacht wieder). Die kölschen Tön von Bläck Fööss über Cat Ballou bis hin zu BAP. Außerdem auch ein Stück weit Subversion mit ausgefallenen Lokalitäten, in denen alternative Musik gespielt wird. Ansonsten verbinde ich noch eine unmögliche Verkehrsplanung, mit Ampelschaltungen, die in Nachbarstädten ihresgleichen suchen, mit Köln.

Hast du einen Lieblingsort in Köln?
Vielleicht die Pollerwiesen, weil man da einen gigantischen Blick auf die Altstadt hat und dort spät abends noch die Sonne scheint. Man kann dort wunderbar grillen und es ist mitunter sogar wild romantisch, wenn man am Lagerfeuer sitzt und auf einmal jemand die Klampfe auspackt.

Wenn du Köln mit einem Gefühl beschreibst, welches ist das?
Leichtigkeit! Die Menschen nehmen sich hier weniger ernst als in anderen Städten wie z.B. dem Kölner Nachbardorf „Schnöseldorf“, München oder meiner Arbeitsstätte Bankfurt Mainhattan. Dort sind die Menschen viel stärker auf sich selbst fixiert und nicht ganz gesellschaftliche Verhaltensweisen werden durch die Mitmenschen direkt getadelt.

Was sind denn schöne kölsche Momente für dich?
Schöne Momente sind, wenn man von einem Polizisten angehalten wird, während man betrunken Fahrrad fährt und der Polizist einem den Arm um die Schultern legt und sagt: „Jung, ich müsst dir jetzt eigentlich einen Strafzettel verpassen, aber ich lass dir einfach mal die Luft aus den Reifen und dann schiebst du dein Rad nach Hause. Und wenn du zuhause bist, lässte mal zweimal durchklingeln.“ Wo gibt es das sonst?