Egal, aus welcher Schicht er kommt – der Kölner ist für alle da

  • 30. März 2017
Petra Heinrichs, 45 Jahre alt, führt mit ihrer Mutter, ihren beiden Schwestern und ihren Kindern das Kölner Traditions- und Familienunternehmen Pfeifen Heinrichs weiter. Als gebürtige Kölnerin engagiert sie sich auch im Karneval. Den klassischen Pfeifenraucher bezeichnet sie als ruhigen, nachdenklichen und meist schlauen Menschen.

In welchem Viertel wohnen Sie und was macht es aus?
Ich wohne in der Altstadt-Süd, direkt am Neumarkt und somit in unmittelbarer Nähe zum Geschäft. Du hast dort alles. Du hast es nirgendswohin weit, du bist direkt da, du bist mitten im Leben. Oder anders gesagt: Köln zentral ist DAS Leben.

Wenn wir das große Ganze betrachten, was zeichnet Köln als Stadt aus? Gerade im Vergleich zu anderen Großstädten?
Lebenslust. Lachen. Gelassenheit. Einfachheit. Multikulti.
Ich bin beruflich viel in anderen Städten unterwegs und habe mit den dortigen Menschen zu tun. Dieser extreme Unterschied zu Köln ist mir ganz besonders aufgefallen, als ich mal einen Tag in einer anderen Stadt, deren Name ich gar nicht nennen will, arbeiten musste. Ich war darauf angewiesen, auf der Straße den direkten Kontakt zu Menschen zu suchen und ich bin eigentlich jemand, der leicht auf Menschen zugehen kann. Aber ich habe in dieser Stadt keinen Kontakt zu den Menschen gekriegt. Hier in Köln gehst du auf die Straße, sprichst jemanden an und der bleibt stehen. Der sagt dir dann zwar vielleicht auch, dass er eigentlich keine Zeit oder Lust hat, aber er redet dennoch mit dir und fängt eine Unterhaltung an. Und je nachdem, wie du auf einen zugehst, ist der Kölner immer bereit zu quatschen. Das sieht in anderen Städten ganz anders aus.
Ob der Kölner reich oder arm ist, egal aus welcher Schicht er kommt, er ist für alle da. Das finde ich schön. Ich mag meine Stadt.

Also sind es letzten Endes die Menschen, die die Stadt auszeichnen und weniger die Architektur?
Absolut! Ich finde Köln an manchen Stellen sogar relativ hässlich. Durch die massive Zerstörung und den schnellen Wiederaufbau hat die Schönheit der Stadt zwangsläufig gelitten. Hier und da haben wir aber noch ein paar schöne Gebäude, aber ich würde nie sagen, dass Köln aufgrund seiner Architektur die schönste Stadt ist.

Haben Sie dennoch einen Lieblingsort in der Stadt?
Oh ja. Den Beach von Rodenkirchen. Das ist wie Urlaub. Du hast Sandstrand, wenn auch nur ein kleines Stück, und wenn du Glück hast und halbwegs alleine da bist, hast du wirklich Urlaubsfeeling. Das ist Wahnsinn! Es lohnt sich wirklich dort mal hinzufahren.

Wenn Sie an Köln denken, was fällt Ihnen als erstes ein?
Spaß. Lust. Lachen. Und natürlich unser Geschäft. Auch wenn wir inzwischen Standorte in Taipeh und San Francisco haben und weltweit der größte Tabakladen sind, verbinde ich zuallererst unseren Laden und die vielen, wundervollen Stammkunden, die wir haben, mit Köln.

Was zeichnet Ihre Kunden denn aus?
Der Pfeifenraucher ist ein ruhiger, nachdenkender, meist schlauer Mensch. Die Pfeife braucht schließlich Ruhe. Viele der Kunden kennen wir seit ihrer Studienzeit und begleiten sie seit Jahren. Mein Vater hat immer darauf Wert gelegt, dass wir niemals zwischen Herrn Müller und Herrn Dr. Müller unterscheiden. Und so ist unsere Klientel auch sehr bunt – vom einfachen Müllmann bis hin zum Professor Doktor Doktor.

Und wenn Sie Köln mit einem Gefühl beschreiben müssten, welches wäre das?
Glück!