Wenn ich den Dom 14 Tage nicht gesehen habe, werd‘ ich krank.

  • 22. Januar 2017
Hein ist 61 Jahre alt und wurde in Köln geboren. Als Inhaber der letzten Milieu-Kneipe der Stadt kennt er „echte Kölner“ wie kaum ein anderer und hat die Entwicklung seiner Stadt hautnah mitbekommen. Was er von ihr hält und welche Sorgen er sich macht, hat er uns erzählt…

Der kölsche Kneipier stellt wohl für viele den Inbegriff eines Urkölners dar. Er spricht breites Platt, ist nie um einen Spruch verlegen und erzählt von seiner Beziehung zur Domstadt, als ginge es um seine Ehefrau. Gerade deshalb ist er prädestiniert für seinen Beruf. Seit 30 Jahren gehört ihm die letzte Milieu-Kneipe der Stadt, das Klein Köln, auf der Friesenstraße. Daher liegt es nahe, dass ihm das Friesenviertel am meisten bedeutet, schließlich „ist das Klein Köln mein Leben“, wie er sagt.

Gerne wohnen würde er dort dennoch nicht: „Früher ging ich auf die Straße, da kannte ich den, da kannte ich den. Vor 40 Jahren waren wir hier 500.000 – jetzt sind wir bei einer Million. Das wird immer größer und größer und wird aber trotzdem für uns immer enger und enger“, erklärt Hein eine Entwicklung seiner Heimatstadt, die ihm zuwider ist und auch Grund für seinen Umzug von Mülheim nach Riehl war: „Das Köln, das wir mal hatten, ist gar nicht mehr da. Das ist ja weg.“ Das macht er auch daran aus, dass immer weniger Menschen kölsch sprechen, von einigen Älteren einmal abgesehen. Aber seine Besorgnis ist viel weitreichender. So ärgert ihn die mangelnde Unterstützung des Millowitsch-Theaters, in seinen Augen DIE Institution der kölschen Kultur, enorm:

Er befürchtet auch, dass sich waschechte Kneipen wie das Klein Köln in Zukunft nicht weiter halten können, wodurch sich wiederum Köln selbst verliert. Der Kneipier begründet das mit einer Welt, in die wir reingepresst werden, in der solche Läden nicht existieren dürfen, weil man sich damit dem Neuen verweigert, man zu deutsch, zu kölsch ist.

Das Kölsche Jeföhl hat sich also gewandelt. Für Hein ist dieses Wort aber ohnehin ein Begriff für Zugezogene und Touristen, die mit der Stadt gänzlich andere Gefühle verbinden als ein Urkölner. Man müsse inzwischen schon in seine Milieu-Kneipe kommen, um eine Chance zu haben, das Kölsche Jeföhl zu spüren, wie es sich für ihn anfühlt. Daran hat auch die Entwicklung rund um die Kult-Institution nichts geändert, die früher den Hotspot des Kölner Rotlichtviertels darstellte und seit jeher Treffpunkt und Anlaufstelle für diejenigen ist, die wirklich zu Köln gehören – vom Penner über den Rechtsanwalt bis hin zum prominenten Boxer. Dass dabei jeder mit jedem gut klarkommt, macht für Hein das Kölsche Jeföhl aus:

An seiner Liebe zur Domstadt ändert das aber nichts: Wenn ich im Urlaub bin und hab den Dom 14 Tage nicht gesehen, dann werd’ ich krank. Das ist so. Das ist Fakt. Andere sagen immer ‚ich will auswandern’ – aber wenn du ne richtige Kölsche bist, dann bekommst du das nicht auf die Bahn. Das funktioniert nicht.